Die ganz gewöhnlichen Wunder im Alltag

Dezember 7th, 2020

„In dieser Welt können die einfachsten Dinge Wunder bewirken, wenn du nur bereit bist, sie wahrzunehmen.“

Buddhistische Weisheit

„Ordinary miracles of our every moment“ – diese Worte gingen mir nicht aus dem Kopf, nachdem ich sie vor einer Weile in einem englischsprachigen Buch gelesen habe. Die gewöhnlichen Wunder in jedem unserer Augenblicke…

Gewöhnlich… gewöhnlich suchen wir ja gerne eher nach den großen Wundern, nach der großen Liebe, dem perfekten Job, dem großen Glück. Nur gewöhnlich haben solche Wunder auch an sich, eher un-gewöhnlich zu sein. Und eher besondere Ereignisse, die hin und wieder mal auftreten. Gewöhnlich und Wunder – das klingt wie ein Widerspruch in sich. Wunder und das in jedem Augenblick, auch.

Dabei sind es doch oft die kleinen Dinge, die das Leben groß machen. Eine Blume am Wegesrand. Ein Lächeln. Eine warme Tasse Tee… Wir verlieren sie gerne aus dem Blick, wenn wir nach den großen Dingen streben.

Verstehen Sie mich nicht falsch, es ist überhaupt nichts falsch daran, große Ziele zu haben und diese beharrlich zu verfolgen. Es geht darum, auch den Weg dorthin noch etwas angenehmer zu machen. Denn es kann ja sein, dass die Erfüllung der großen Ziele noch ein bisschen auf sich warten lässt. Und es ist ja auch nicht so, dass man dann angekommen ist und sich in endloser Glückseligkeit suhlt. Nein, auch das größte Ziel, wird, wenn man es erreicht hat, mit der Zeit zur Normalität werden. Lottogewinner beispielsweise sind nach einem halben Jahr wieder auf ihrem Zufriedenheitslevel, das sie bereits vor dem Gewinn hatten, angekommen. Erstaunlich, oder?

Was also tun? Man kann sich auch die Zeit zwischen den großen Highlights schön machen, indem man in seinem Hinarbeiten auf das große Ziel öfter mal innehält und nach den gewöhnlichen Wundern des aktuellen Augenblicks Ausschau hält, die schon da sind – einfach so, ohne dass wir etwas dafür tun müssen – außer uns für sie zu öffnen.

Während ich hier sitze und schreibe, sehe ich die Bäume vor meinem Fenster, die gerade fast ganz kahl sind. Nur noch ein paar einzelne gelbe Blätter hängen daran und erinnern an den scheidenden Herbst. Die Heizung strahlt Wärme aus. In meinem Arbeitszimmer ist es ruhig, nur die Wanduhr tickt gleichmäßig und der Computer summt leise vor sich hin. Das ist alles nichts Großes oder gar Besonderes, doch wenn wir uns diesen kleinen Dingen mit unserer vollen Aufmerksamkeit widmen, können wir darin etwas Wundervolles entdecken.

Hier geht es um Achtsamkeit, um das, was ist. Sie müssen nichts dafür tun, achtsam sind sie sowieso schon. Es geht nur darum, Ihren Fokus für einen Moment umzulenken von den großen Dingen, die Sie anstreben, auf das Hier und Jetzt. Auf das, was jetzt gerade ist.

Vielleicht haben Sie auch Lust, mal kurz nachzuschauen oder nachzuspüren, welche gewöhnlichen Wunder der aktuelle Augenblick für SIE bereithält, die nur darauf warten, von Ihnen entdeckt zu werden? Und vielleicht wollen Sie daraus ein kleines Spiel machen und die gewöhnlichen Wunder aufzuspüren. Wenn es Sie reizt und Sie sich gerne herausfordern wollen, dann auch und besonders in den Situationen, die wir für gewöhnlich für nicht besonders wundervoll halten – z.B. der morgendliche Weg zu Arbeit oder der Feierabendverkehr.

Vielleicht wird es auch Momente oder Zeiten geben, in denen Sie keine kleinen Wunder finden können. Oder Sie sehen sie vielleicht mit Ihren Augen und Ihrem Verstand, aber fühlen Sie nicht im Herzen oder im Bauch. Das ist in Ordnung. Wir alle haben solche Phasen (auch wir Psychologen – sage ich dann immer gern). Dann ist das eben so. Vielleicht tut es Ihnen dann eher gut, erstmal eine Pause von der Wunderjagd zu machen und es einfach ein anderes Mal wieder auszuprobieren.

Denn das Gute ist: In JEDEM Augenblick lassen sich gewöhnliche Wunder finden. Deswegen ist es nicht schlimm, wenn Sie in diesem keine finden oder sie nicht fühlen können. Im nächsten Augenblick (oder nächste Woche oder in einem halben Jahr) sind auch wieder welche da.

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